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Unsere Projektarbeit


Wir unterstützen ausgewählte Tierschutzprojekte weltweit. Grundsätzlich engagieren wir uns nur in Projekten, die wir selber kennen und mit denen wir in regem Austausch stehen. Hierbei sehen wir den Vorteil, unsere Möglichkeiten am effektivsten zum Einsatz bringen zu können. Die Projektarbeit umfasst die beratende Mitarbeit vor Ort ebenso wie das Fundraising für die unterstützten Projekte.

Ausbildungvon Tierärzten


Da die Tierärzte vor Ort, gerade in Drittweltländern, häufig in ihrer Ausbildung mit anderen Schwerpunkten als in Europa konfrontiert sind, sehen wir die Notwendigkeit eines kontinuierlichen Engagements in der Aus- und Weiterbildung von Tierärzten und Helfern. Gerade auf dem essentiellen Feld der Kastrationsmedizin ist es wichtig, dass das Personal gut ausgebildet ist und somit schnell und sicher Kastrationen durchführen kann. Hierzu werden von den Tierärzten des Fantelgarten vor Ort Weiterbildungsmaßnahmen betrieben.

Öffentlichkeitsarbeit des Fantelgarten


Um das Bewusstsein für die Tierschutzproblematik zu schärfen, betreiben wir Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland. Diese umfasst die Information über aktuelle Themen, z.B. hier auf der Website, ebenso wie Fachvorträge an Schulen, Universitäten oder in Gemeindesälen.

Was sind eigentlich Straßenhunde?


Im Folgenden können Sie sich über die Straßenhundeproblematik ausführlich informieren.

Was sind Straßenhunde?


Straßenhunde in Kerala/Indien

Generell werden als Straßenhunde solche Hunde bezeichnet, die herrenlos auf der Straße bzw. in der freien Natur leben. Straßenhunde ernähren sich oft von Zivilisationsmüll, weswegen sie in der Regel in der Nähe menschlicher Ansiedlungen zu finden sind. Bisweilen werden einzelne Tiere von Menschen gefüttert, leben jedoch weiterhin wild auf der Straße.

Wieso sind Straßenhunde ein Problem?
Die Anwesenheit von Straßenhunden führt zu einer Vielzahl von Problemen. Aus der Sicht des Tierschutzes stehen die unberechenbaren und überwiegend schlechten Lebensbedingungen für die Hunde an vorderster Stelle. Den Hunden fehlen elementare Dinge wie Trinkwasser, ausreichend Futter, sowie Schutz vor Hitze oder Kälte. Oft wird der Überpopulation durch die Tötung oder das Einfangen und Wegsperren der Tiere begegnet. Hierdurch tritt eine weitere Verschlechterung der Lebensumstände ein: Die Euthanasie dieser Tiere geschieht selten nach tierärztlich anerkannten Standards, sondern allzu häufig auf ethisch nicht vertretbare Weise.  

Ein zweiter Aspekt ist die Übertragung von Zoonosen. Als Zoonosen werden Krankheiten bezeichnet, die von Tier auf Mensch bzw. umgekehrt übertragen werden können. Ein bekanntes Beispiel ist die Tollwut. Straßenhunde können Überträger solcher Erkrankungen sein, und somit birgt ihre Anwesenheit für Menschen ein Erkrankungsrisiko. Häufig führt die bloße Angst vor ansteckenden Krankheiten wie Tollwut dazu, dass ganze Populationen oder einzelne Hunde getötet werden.

Woher kommen die vielen Straßenhunde?
In Deutschland kennt man den Anblick streunender Hunde nicht. Man muss natürlich berücksichtigen, dass die Deutschen überwiegend sehr tierlieb sind und hier Hunde, die im Haus mit der Familie leben, absolut nichts ungewöhnliches sind. In vielen Ländern werden Hunde eher als Nutztiere als als Haustiere betrachtet. Der Nutzen ihrer Anwesenheit geht von Wach- und Verteidigungsfunktionen über Herdenhütefunktionen bis zum Einsatz als Zugtiere (in den Polarregionen). In vielen Ländern führen die Hunde ein weniger stark an häusliche Gegebenheiten assoziiertes Leben und pflanzen sich unkontrolliert fort. Um die Dynamik von Straßenhundepopulationen zu verstehen, muss man einige grundlegende Dinge wissen.

Populationsentwicklung theoretisch
Betrachtet man eine Hundepopulation theoretisch, könnten von nur einem Elternpaar innerhalb weniger Jahre Millionen von Nachkommen abstammen ( 3-12 Welpen pro Wurf, Läufigkeit 2x/Jahr).  Diese Entwicklung findet jedoch in realen Populationen so nicht statt. Grund dafür ist die sogenannte Carrying capacity.

Carrying capacity
Dieses auch als Holding Capacity bezeichnete Phänomen bezeichnet den Umstand, dass ein festgelegtes Gebiet einer Spezies nur Resourcen für eine bestimmte Anzahl von Individuen bietet. Trivial ausgedrückt: Wenn ein Zimmer voll ist, passt keiner mehr hinein. Im Zusammenhang mit Straßenhunden sind limitierende Faktoren im wesentlichen der begrenzte Zugang zu folgenden Resourcen:

• Futter
• Wasser
• Unterkunft

Somit pendelt sich die Zahl von Straßenhunden in einem festen Gebiet immer auf annähernd die gleiche Zahl ein, da die Natur die vorhandenen Resourcen ausnützt. Entnimmt man dieser Population nun Tiere (z.B. durch Catch and kill bzw. Catch and house, siehe unten) wird das Populationsdefizit sofort durch eine höhere Geburtenrate, Zuwanderung von Tieren von außerhalb und höhere Lebenserwartung ausgeglichen. Die verbleibenden Tiere haben Zugang zu mehr Futter und mehr Wasser. Der Hauptfaktor für das Wiederauffüllen sind Geburten von Jungtieren innerhalb der Population, und in begrenztem Umfang das Aussetzen von Welpen oder adulten Tieren.

Wie können Lösungsversuche für das Problem aussehen?
Seit vielen Jahren wird in Ländern mit Straßenhundeproblematik versucht, die Populationen zu verkleinern.

Hierbei gibt es im wesentlichen drei Ansätze:


Populationsentwicklung bei "Catch and Kill" und "Catch and House"

Catch and kill: aus den bestehenden Populationen werden Hunde eingefangen und getötet. Die Gesamtpopulationszahl schwankt nur leicht, da die entfernten Tiere durch Zuwanderung und Geburten ausgeglichen werden. Man müsste innerhalb der durchschnittlichen Tragezeit von 60 Tagen mehr als 70% der Tiere fangen können, um die Population einzudämmen.

Catch and house: aus den bestehenden Populationen werden Tiere eingefangen und in Tierheimen untergebracht. Die Gesamtpopulationszahl schwankt nur leicht, da die entfernten Tiere durch Zuwanderung und Geburten ausgeglichen werden. Zudem entsteht eine zweite “Schattenpopulation” in den Tierheimen.


Populations-entwicklung bei CCR

Catch, castrate and release: aus den bestehenden Populationen werden Tiere eingefangen, kastriert und nach Genesung wieder in ihre angestammten Reviere ausgesetzt. Hierdurch stagnieren die Populationszahlen und sinken bei konsequenter Kastration aller greifbarer Individuen innerhalb von kurzer Zeit stark ab. Dies ist die einzig effektive Methode, um Populationen von Straßenhunden effektiv und human zu reduzieren.

Kostenvergleich


Kostenvergleich CCR, CaK und CaH

Bei Vernachlässigung der tierschützerischen Aspekte schneidet die CCR-Methode auch beim Kostenvergleich am besten ab. Sowohl beim Catch and house als auch beim Catch and Kill bleiben die Kosten durch die mangelnde Effektivität kontinuierlich hoch. Wendet man die CCR-Methode an, sinken die Kosten schon nach kurzer Zeit, da immer weniger Tiere zu behandeln sind. Die WHO empfahl schon 1990 in einer Studie CCR als Methode der Wahl, um Populationen nachhaltig zu beeinflussen.

Quellen:
Deutscher Tierschutzbund
"Zur Tierschutzproblematik der so genannten Straßenhunde im Ausland", Bonn 2008
(Dr. med. vet. Elke Deininger, Dr. rer. nat. Katrin Umlauf)

Deutscher Tierschutzbund
"Leitfaden zum Aufbau eines Projektes zur Verminderung der Population herrenloser Hunde und Katzen auf der Grundlage von Fangen, Kastrieren und Freilassen", Bonn 2006

THE FOUNDATION MONDO ANIMALE (Dorothea Friz), “The Problem of Stray Animals practical and effective management methods”, Castel Volturno 2003

WHO (Dr.K.Bögel et al.), “Guidelines for dog population management”, Genf 1990

J.F.Reece, S.K.Chawla, “Control of rabies in Jaipur, India, by the sterilisation and
vaccination of neighbourhood dogs”. In: Veterinary Record (2006) 159, 379-383

Vermittlung von Hunden durch Fantelgarten


Auch wenn die Vermittlung von Hunden aus dem Ausland nach Deutschland das Problem in den Ursprungsländern nicht löst, sind wir schlussendlich auch nur Tierschützer. So kommt es, dass wir immer wieder Hunde aus Rumänien, Ungarn und Spanien (wo wir auch gut vernetzt sind) nach Deutschland mitnehmen, um ein einzelnes Hundeleben zu verbessern.

Die Rettung eines Tieres verändert nicht die Welt, aber für das Tier bedeutet es die Welt.

Projekt Indien


> Indien war 1960 weltweit das erste Land, das den Tierschutz in seiner Verfassung verankerte und gleichzeitig eine Regierungsinstitution schuf, die sich ausschließlich mit den Belangen des Tierschutzes befasst. Leider haperte es oft an der Durchsetzung dieser Gesetze. Bis 1990, als die WHO und die Organisation WSPA ihre Richtlinien für das Managment der Straßenhundepopulationen veröffentlichte, herrschte in Indien die Methode “Catch and Kill” (einfangen und töten). Hierbei wurden Hunde inhuman erschlagen oder vergiftet. Es konnte allerdings mit Zahlen belegt werden, dass diese Methode die Zahl der Streuner nicht reduziert.

Im Gegenteil erhöhte sie sich über die Jahre immer weiter, da sich die überlebenden Hunde durch frei gewordene Ressourcen stärker und schneller vermehren, als dass sie getötet werden konnten. Die einzig sinnvolle Möglichkeit zur Eindämmung der Straßenhundepopulationen besteht – auch laut WHO – darin, großangelegte Kastrationsprojekte durchzuführen, sprich Hunde eines jeden Reviers einzufangen, zu kastrieren und zurück zu setzen, damit diese Plätze besetzt bleiben. Diese sogenannten ABC (animal-birth-control)-Programme belegen auch, dass dadurch Krankheiten, wie Tollwut, die auf den Menschen übertragbar sind, eingedämmt werden. In einer Stadt wie z.B. Chennai sind seit Einführung der ABC – Programme die Fälle von Menschen, die an Tollwut gestorben sind, seit 1996 um 96% gesunken.

Man könnte also behaupten, dass Indien ein Vorreiter im Umgang mit der Straßenhundeproblematik ist. Allerdings werden diese Programme bisher hauptsächlich in Großstädten umgesetzt.

Fantelgarten e.V. unterstützt das Projekt Mad Dogs Kerals in Cochin, um dort einheimische Tierärzte anzulernen, die dann eigenständig Straßentiere kastrieren und medizinisch versorgen können.

Quelle: Blue Cross of India (Dr. S. Chinny Krishna), “The Success of the ABC-AR (Animal Birth Control – Anti-Rabies) Programme in India”, Juni 2009

Indien-Kerala Februar 2010


Im Februar 2010 unterstützten wir, d.h. Dr. Alexandra Goergens, Dr. Anke Schütz und ich, Sabine Fink, unser erstes Tierschutzprojekt. Durch die vollkommen andere Lebensweise und Kultur Indiens war die Reise noch interessanter für uns.

Geprägt vom hinduistischen Glauben sind die Inder den Straßentieren gegenüber sehr tolerant und füttern sie beispielsweise teilweise mit Essensabfällen.

Die Nahrungsbeschaffung ist für die Hunde und Katzen in Indien allerdings generell nicht besonders schwer, da die Menschen in Indien – aufgrund einer fehlenden Müllabfuhr  – organischen Müll auf der Straße entsorgen. Tierheime gibt es in Indien nicht. Hunde haben zwar teilweise Besitzer, leben aber meist mit den besitzlosen Hunden auf der Straße und können sich frei bewegen. Eine Ausnahme bilden ein paar seltene Wachhunde, die auch in Indien leider an der Kette leben müssen.


Eingang zur Klinik

Indiens Straßenhunde führen solange ein  relativ sorgloses Leben, bis sie einmal in Not geraten. Dies kann ein Unfall im unvergleichbar chaotischen Straßenverkehr von Indiens Großstädten oder eine andere Verletzung sein. Problematisch wird es auch, wenn eine Hündin zum wiederholten Male trächtig ist, und damit umso anfälliger für Krankheiten wird. Gerade in Indien ist die Verbreitung von Tollwut sehr groß und jedes Jahr sterben dort bis zu 30.000 Menschen an Tollwut, was 80% aller Todesfälle durch Tollwut weltweit ausmacht. Da sich das Leben in Indien hauptsächlich auf der Straße abspielt und die Menschen sehr eng mit Haustieren oder verwilderten Haustieren zusammenleben, sind die Gefahren durch Zoonosen sehr groß. Die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, ist die konsequente Impfung der Straßentiere, und natürlich auch die Gesundheit der Population durch Kastrationen zu verbessern.

Leider gibt es in Indien kaum oder sehr wenig Tierarztpraxen, welche unserem westlichen Anspruch Genüge leisten. Es gibt einige staatliche Tierkliniken, welche jedoch eher einen zweifelhaften Eindruck hinterlassen. Aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen und der mangelhaften Ausbildung der dort arbeitenden Tierärzte verdienen weder diese Einrichtungen den Namen Klinik noch das Personal die Bezeichnung Arzt. Die Todesrate in diesen sogenannten Kliniken ist enorm hoch und bei der Kastration eines Hundes ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, den Hund lebend zurückzubekommen.


die üblichen Tierkliniken in Indien

Diese schmerzliche Erfahrung mussten auch Penny Shepherd und ihr Mann machen, als sie 2007 in einem Range Rover von England starteten und auf ihrer Weltreise Station in Fort Kochin in Südindien, Kerala machten. Immer mit dabei ihre 2 Dalmatiner. Die schlechte medizinische Versorgung und der ignorante Umgang mit den Krankheiten und Verletzungen der Straßenhunde, veranlasste das Ehepaar dazu, eine Klinik in Kochin aufzubauen, die heute unter dem Namen Mad Dogs Trust Kerala läuft.


Penny Shepherd, Gründerin des Mad Dogs Trust

Direkt nach unserer Landung in den frühen Morgenstunden widmeten wir uns gleich unserem ersten Einsatz: Jimmy Joo (so wurde er von uns getauft) musste durch eine Operation von einer Schnur befreit werden, die ihm im Laufe der letzten Monate in das offene Fleisch eingewachsen war. Vermutlich war ihm die Schnur bereits als Welpe umgebunden und seitdem nie mehr entfernt worden.


Patienten

Während der nächsten 14 Tage hatten wir alle Hände voll zu tun, da sich schnell die Nachricht verbreitet hatte, dass Tierärzte aus Europa vor Ort sind. Viele kamen, um ihre Hunde und Katzen kastrieren und medizinisch versorgen zu lassen. Sogar die lokale Presse besuchte uns, um sich über unsere Arbeit zu informieren, und darüber zu berichten.


Im Gespräch mit Patienten und Patientenbesitzer

Amitha, die junge Tierärztin, die bei Penny arbeitet, konnte während unserer Anwesenheit viel lernen und sich mit uns über verbesserte Kastrationstechniken austauschen, um noch schneller und sicherer Hunde kastrieren zu können. Wieder einmal erfüllten wir unsere Zielsetzung, dem Personal in unseren Projekten durch Aus- und Weiterbildung die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeit selbstständig und auf hohem Niveau auch nach unserer Abreise fortzuführen.


Scarlett in ihrem neuen Zuhause

Persönlich gefreut hat es mich, als die junge Dobermannhündin Scarlett sich während unseres Aufenthalts von Tag zu Tag immer mehr erholt hat. Scarlett litt an schlimmer Demodikose, einer Hautkrankheit, die durch Milben hervorgerufen wird. Bei unserer Abreise hatte sie schon wieder Stellen, an denen Haare nachgewachsen waren. Nachdem eine Vermittlung indischer Hunde nach Deutschland durch strenge… Ausreisevorschriften  nur sehr schwer möglich ist, hat es mich umso mehr gefreut, ein paar Tage später zu erfahren, dass Scarlett ein schönes neues zu Hause in einem Vorort von Cochin bekommen hat. Auch wenn es für viele so aussehen mag, als wäre unsere Arbeit nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, sind wir doch überzeugt, dass wir mit unserer Arbeit vor Ort einen wichtigen Beitrag für die bessere Versorgung von Tieren in Not leisten können.
Sabine Fink mit Scarlett



Quellen:
Link: Mad Dogs Trust Kerala

LINK: Rabies-Journal
Blue Cross of India (Dr. S.  Chinny  Krishna), “The Success of the ABC-AR (Animal Birth Control & Anti-Rabies) Programme in India Juni 2009

Projekt Rumänien


Rumänien besitzt eine der größten Straßenhundepopulationen Europas. Durch rücksichtslose Umsiedlungsprojekte unter CeauMescu in den 80er-Jahren wurden Teile der Landbevölkerung gezwungen, ihre traditionelle Lebensweise aufzugeben und in neu errichtete Plattenbauten umzusiedeln. Vielfach wurden die Haustiere, vor allem Hunde, dann zurückgelassen und konnten sich ungehindert vermehren.

Nach dem Sturz Ceaucescus 1989 entwickelte sich Rumänien zur Demokratie. Eine nationale Tierschutzgesetzgebung existiert erst seit 2001. Der Umgang mit dem Straßenhundeproblem ist seitens des Staates geprägt durch sinnlose Tötungen ohne nachhaltigen Effekt (bis 2008) und seit Verbot der Tötungen durch Stillstand. Private Tierschutzvereine leisten zum Teil erstaunliches, jedoch können sie ohne Rückendeckung aus der Politik das Problem nicht in den Griff bekommen.

Fantelgarten e.V. engagiert sich derzeit in Brasov/Rumänien und unterstützt dort den Verein “Milioane de prietenii” durch Mitarbeit bei Kastrationskampagnen. Außerdem bestehen freundschaftliche Kontakte zu privaten Tierschützern sowie zum Verein “Animals need us” in Brasov.

Quellen:
Wikipedia: Program zur Systematisierung der Dörfer
Wikipedia: Geschichte Rumäniens
LINK: Protectia si DREPTURILE animalelor

Rumänien-Brasov März 2011


Zu zweit waren wir für zwei Wochen zu Gast beim Verein “Milioane de prieteni” in Brasov/Rumänien. Wir unterstützten dort die Arbeit des Vereins durch praktische Mitarbeit im Tierheim Triaj und bekamen interessante Einblicke in die Tierschutzarbeit vor Ort.
 
Der 1997 gegründete Verein unterhält ein Tierheim für Hunde sowie Europas größtes Bärenreservat mit derzeit 57 Tieren. Außerdem werden mit großem Engagement politische Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit für den Tierschutz und Kastrationskampagnen  im Umkreis von Brasov betrieben.


Einer von derzeit 58 Bären im Libearty-Reservat

Das Bärenreservat ist ein Mammutprojekt, das im Jahr 2005 von Cristina Lapis und ihrem Mann Roger in Zusammenarbeit mit der WSPA initiiert wurde und heute 56 Braunbären und einem Schwarzbären ein artgerechtes Leben ermöglicht. Sämtliche dieser Bären stammen aus tierquälerischer Haltung in Käfigen neben Restaurants, Hotels oder Tankstellen. Einige fristeten ihr Leben in einem Zirkus oder einem Zoo. Das Ziel des Reservats ist es nicht, einen Zoo zu etablieren, sondern die Bären unbeeinflusst leben zu lassen. Besuche sind daher auch nur für Gruppen nach vorheriger Anmeldung und mit fachkundiger Leitung möglich. Der Betrieb des Reservats kostet rund 1000 Euro am Tag. 

Fünfzehn Angestellte versorgen die Tiere, welche am Tag rund eine Tonne Futter zu sich nehmen. Neben den Bären bietet das Reservat auch ein Zuhause für ein Rudel Hunde, einige Füchse, drei Wölfe sowie drei Pferde.
Jedes dieser Tiere hat eine Geschichte, die mit Tierquälerei oder Misshandlung zu tun hat, und sie alle dürfen jetzt hier in Ruhe leben.


Kettenhund bei Brasov
Das Tierheim “Dog Shelter Triaj” beherbergt jederzeit rund vierhundert Hunde. Fünfzehn Mitarbeiter, darunter zwei Tierärzte, versorgen die Tiere, die überwiegend in Kleingruppen leben. Einige wenige Hunde, die aufgrund ihres Sozial- oder Revierverhaltens die Nähe anderer Hunde nicht dulden, haben eigene Hütten und sind an Ketten. Jeder dieser “Kettenhunde” sowie die Tiere, die in der Krankenstation in Boxen untergebracht sind, werden in der Regel zweimal täglich von den Mitarbeitern des Tierheims ausgeführt.


Irina mit einem Patienten

Durch Unterstützung von Organisationen wie dem BMT aus Deutschland oder der Brigitte Bardot Foundation aus Frankreich ist die Grundversorgung der Hunde erleichtert. Sämtliche Mittel des Vereins werden aus Spenden requiriert. Vermittlungszahlen von 25-40 Hunden pro Monat in das Tierheim des BMT in Pfullingen sprechen eine deutliche Sprache. Die Mitarbeiter vor Ort sind allesamt sehr engagiert und nehmen ihre Arbeit sehr ernst – egal ob Tierarzt oder Hundepfleger. Die tierärztliche Arbeit umfasst neben den unumgänglichen Kastrationen (jedes Tier wird bei Ankunft ins Tierheim kastriert, gechippt und geimpft) auch die Behandlung von Misshandlungsverletzungen, Verkehrsunfällen und Krankheiten wie Parvo. Darüber hinaus werden auch jegliche andere Tiere, vom misshandelten Pferd bis zum verletzten Schwan, wenn nötig behandelt und versorgt. Ein Teil der Hunde stammt aus oben genannten verletzten oder kranken Tieren, die auf der Straße aufgegriffen werden. Außerdem werden regelmäßig aus dem städtischen “Tierheim”, in welchem unvorstellbare Zustände herrschen, die schlimmsten Fälle herausgeholt und ins Shelter gebracht. Hier wurden zwischen 2000 und 2008 offiziellen Angaben zufolge  40000 Hunde getötet (2008 trat das gesetzliche Verbot der Euthanasie gesunder Tiere in Kraft, wonach offiziell in Rumänien seither nicht mehr getötet wird).

Unterernährung und Bisswunden sind durch Vernachlässigung und vollkommen sorglose Gruppenzusammenstellung in diesem städtischen Tierheim häufig anzutreffen. Über eine bloße Verwahrung der Hunde hinaus wird dort keine Arbeit geleistet.


Entsorgung ehemals geliebter Familienmitglieder, Brasov

Die generelle Situation der Tiere in Rumänien ist verheerend, überall sieht man Straßenhunde, viele von ihnen jetzt nach dem Winter stark abgemagert. Auch tote Hunde sind, insbesondere entlang der Hauptstraßen, kein seltenes Bild. Die Sichtweise auf den Hund (oder generell auf Tiere) ist ganz stark vom Nutzgedanken geprägt. So liegen zum Beispiel sehr viele der Hunde, die einen Besitzer haben, an der Kette. Der Luxus, mit der Familie oder den Besitzern im Haus zu wohnen, wird hier den wenigsten Hunden zuteil. Manche Leute füttern wenigstens einen Straßenhund, der sich in der Nähe ihres Hauses aufhält.

Aktive Misshandlungen mussten wir keine sehen, jedoch konnten wir im Tierheim eine ganze Reihe von Misshandlungsopfern kennenlernen (um nur einige zu nennen: gebrochener Unterkiefer nach Schlägen/Tritten, zirkuläre Narbe um den ganzen Hinterleib nach Misshandlung mit einem Stacheldraht, der fest um den Hund geschnürt wurde, und an dem das Tier angebunden war, Brandnarbe auf der Schnauze von einer glühenden Messerklinge (leider sehr häufig zu sehen), …). Erstaunlich ist, dass sämtliche dieser Hunde nach nur wenigen Tagen täglicher Beschäftigung wieder Vertrauen fassen können. Tiere, die am ersten Tag katatonisch in ihren Boxen verharren und, nachdem man sie ins Freie getragen hat, an dem Ort verharren, wo sie abgestellt wurden, liefen schon nach vier oder fünf Tagen fröhlich mit an der Leine. Aggressives Verhalten den Menschen gegenüber konnten wir bei keinem Straßenhund beobachten. Manche waren scheu, aber dargebotenem Futter gegenüber stets aufgeschlossen.


Plattenbausiedlung, Brasov

Leider fehlt in Rumänien eine effektive landesweite Kastrationspolitik. Vereine wie “Milioane de prieteni” leisten zwar unglaubliche Arbeit, jedoch können sie praktisch nur an den Auswirkungen des Problems arbeiten solange keine vernünftige Gesetzgebung existiert. Hier ist, wie in ganz Europa, die Legislative gefragt, um endlich Richtlinien zu Kastration und Zuchtverboten zu veröffentlichen, die europaweit durchgesetzt werden und bei Nichtbeachtung ernsthafte Sanktionen nach sich ziehen. Die Vermittlung von Tieren nach Deutschland ist für das individuelle Tier natürlich ein Lottogewinn, jedoch ändert es die Gesamtlage leider fast nicht.

Wir selbst nahmen insgesamt sieben Hunde zur Vermittlung nach Deutschland mit (die auch alle auf guten Plätzen untergekommen sind). Allein am Tag vor unserer Abreise “quollen” dreizehn neue Hunde nach. Der Strom an Tieren lässt nicht nach bis nicht endlich effektiv, flächendeckend und ausnahmslos kastriert wird.

Gregor Uhl / Sabine Lentz

http://brasovmarch2011.tumblr.com befindet sich unser Foto-Blog vom damaligen Aufenthalt

Rumänien Mai 2011


Eigentlich wollten wir im Mai in Zarnesti, in der Nähe von Brasov, bei einer Kastrationskampagne mithelfen. Also wurden sämtiche Urlaube etc. so hingeschoben, dass wir zur avisierten Zeit in Rumänien sein können.

Leider erreichte uns nur Stunden vor der Abfahrt die Nachricht, dass die Kampagne um zwei Wochen - also genau um unsere Aufenthaltszeit- verschoben werden musste. Sehr spontan disponierten wir um und fuhren zuerst nach Suceava.

Suceava

In Suceava betreibt der Verein ProAnima in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und unter der Ägide von Christina Schulz ein relativ großes Tierheim. Die Zahl der Hunde beträgt um die 800 Tiere. Die Lokalität ist neben einem Kieswerk gelegen, welchem auch das Grundstück gehört. Die Bedingungen dort sind alles andere als ideal. Die Räumlichkeiten sind leider nicht mehr als ein dauerhaftes Provisorium. Probleme mit der Kanalisation und ständige Überschwemmungen in Herbst und Winter erschweren die Arbeit zusätzlich. Zwar ist mit Catalin Rusu dauerhaft ein guter Tierarzt vor Ort, jedoch fehlen vor allem die finanziellen Mittel für jegliche Beweglichkeit. Häufig werden die Grenzen schon bei der Futterbeschaffung erreicht. Wir richteten uns trotz allen baulichen Problemen passabel ein und konnten in vier Tagen 65 Hunde und 8 Katzen sterilisieren.

Erfreulich ist, dass in Suceava relativ viele Straßentiere mit Ohrmarken zu finden sind. Für uns ein Zeichen, dass in irgendeiner Form eine CCR-Politik betrieben wird. Während wir mitten in der Arbeit waren, erreichte uns die Nachricht, dass im nur 35 km entfernten Boto?ani in einer Nacht- und Nebelaktion 230 Hunde unter fadenscheinigen Gründen euthanasiert wurden. Die Hunde waren im städtischen Tierheim untergebracht. Kaum waren wir abgereist, wurde im nahegelegenen Fluss ein Hund gefunden, dem jemand die Augen herausgerissen hatte. In Momenten wie diesem hinterfragt man die Wirklichkeit in diesem Land,welches ja doch schon einige Jahre in der EU ist. Wir sind jedoch sicher, dass unsere Arbeit umso wertvoller ist, um zukünftigen Generationen von Tieren solches Leid zu ersparen.

Brasov

Da die Kastrationskampagne in Brasov verschoben war, gab es leider nicht wirklich viel zu tun. Wir beteiligten uns am Tagesgeschäft und halfen, wo wir konnten.

Târgu Mure

Spontan konnten wir Kontakt zum Verein RescueMe in Târgu Mures herstellen. Dieser kleine Verein kümmert sich um verletzte oder kranke Straßenhunde und übernimmt die Behandlungskosten, pflegt sie und versucht sie zu vermitteln. Der Tierarzt Levente Borka war so großzügig uns als Gäste in seiner Praxis zu empfangen. Wir bekamen einen eigenen Raum für unsere Arbeit und großartige fachliche Unterstützung durch ihn und seine Assistentin Oti. Wir kastrierten in zwei Tagen rund 35 Tiere, davon gut die Hälfte Katzen.